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Europatag am 09. Mai 2018: „Europa abseits der Krisen“

Nachdem am Erftgymnasium  in den vergangenen beiden Jahren am Europatag vor allem über die Krisen Europas diskutiert wurde (z.B. über die Flüchtlingskrise, die Gefahr des stärker werdenden Rechtspopulismus, den Brexit, usw.), war es unser Ziel, in diesem Jahr positive Entwicklungen zu betonen und europäische Erfolgsgeschichten darzustellen.

Der 09. Mai gilt als der Geburtstag der EU und wurde einst als Datum ausgewählt, da der französische Politiker Robert Schumann an diesem Tag im Jahre 1950 seine Vorschläge zu einem organisierten und friedvollen Europa präsentierte. Im Jahre 2018 ist es mit Emmanuel Macron erneut ein Franzose, der mit seiner Forderung, dass „ein Ruck durch Europa gehen muss“, neuen Schwung in die europäische Politik bringt und auch inspirierend für das Motto des diesjährigen Europatages war.

Offiziell eingeleitet wurde der Europatag durch den von Herrn Giepner geleiteten Chor der Klassen 5 und 6, der Emeli Sandés Song “Read All About it“ im PZ sang. Die Botschaft, dass Jugendliche ihre Meinung selbstbewusst vertreten sollen (“You've got a heart as loud as lions. So why let your voice be tamed?”), wurde von den Schüler/innen dabei eindrucksvoll vermittelt.

Da der Europatag auch eine Plattform bieten soll, europabezogene Projekte an unserer Schule zu präsentieren, stellten Schüler/innen der Q1 die Ergebnisse ihres über zwei Jahre angelegten  erasmus+ Projektes “The Opportunities of Migration for Multicultural Europe“ vor. Die Schüler/innen gaben dabei zunächst einen kurzen inhaltlichen Überblick über die historische Bedeutung von Migration in Deutschland (vom zweiten Weltkrieg bis heute), die Flüchtlingskrise und ihre gesellschaftlichen Auswirkungen, die Bedeutung von Menschenrechten und Integration sowie die kulturelle Vielfalt in unserer Gesellschaft, etwa  in den Bereichen Literatur, Musik oder Sport.

Anhand der Berichterstattungen über die „Mobilities“, d.h. die vier Projekttreffen mit den europäischen Partnern, wurde deutlich, dass nicht nur die Projektarbeit auf europäischer Ebene gut funktioniert hat, sondern auch viele Freundschaften geschlossen wurden und die Schüler/innen viele tolle Erlebnisse während ihrer Aufenthalte in Santa Maria (Italien), Klaipeda (Litauen) und Blanquefort (Frankreich) machen konnten. 

In der dritten Stunde stand das Thema Sprachenvielfalt am Erftgymnasium im Mittelpunkt und war speziell für die Mittelstufe ausgerichtet. Ausgewählte Schüler/innen der Klassen 8 und 9 gaben auf der Bühne zunächst kurze allgemeine Informationen zu ihrer Muttersprache bzw. der Muttersprache ihrer Eltern/ Großeltern, erklärten, in welchem Kontext sie die Sprache verwenden und lasen dann einen ausgesuchten Text in dieser Sprache vor (u.a. Flämisch, Italienisch, Polnisch, Serbisch oder Türkisch). Dies konnte z.B. ein Gedicht, ein Fußballkommentar, ein Zeitungsartikel oder aber die Bedienungsanleitung einer Waschmaschine sein. Eine ausgewählte Jury musste dann im Multiple-Choice-Verfahren erraten, um was für eine Textform es sich handelte. Dies war für die ca. 150 Zuschauer nicht nur sehr lustig, sondern auch sehr lehrreich. 

Im Anschluss wurden im Unterricht erstellte Werbevideos von Schüler/innen der Klasse 9d über die europäischen Kulturhauptstädte Europas 2018,  La Valletta/ Malta und Leeuwarden/ Niederlande, sowie der 8d über Nationalfeiertage in Europa gezeigt. Die Beiträge verdeutlichten sowohl die kulturelle Vielfalt Europas als auch die technische Versiertheit unserer Schüler/innen.

In der vierten Stunde berichteten 10 Schüler/innen der Klassen 5 und 6 über die „europäischen Erfolgsgeschichten“ ihrer Eltern/ Großeltern. Sie erzählten dem Publikum, warum ihre Eltern/ Großeltern einst nach Deutschland kamen, welche Eindrücke sie zu Beginn sammelten und ob sich die Wünsche ihrer Eltern erfüllt haben. Interessant war dabei, dass die Gründe nach Europa/ Deutschland zu kommen ganz unterschiedlicher Natur waren, z.B. religiöse oder politische Verfolgung und fehlende Meinungsfreiheit im Heimatland, der Wunsch nach beruflicher oder wirtschaftlicher Verbesserung oder aber der Liebe wegen, sich die gemachten Erfahrungen aber sehr ähnelten. Es wurde deutlich, dass sich die Wünsche – mal mehr, mal weniger – erfüllt haben, auch wenn es aufgrund der sprachlichen Barriere zunächst nicht immer einfach war.

In der dritten und vierten Stunde fand auch der Fremdsprachentag für die Klassen 7 (Latein, Französisch) sowie die Klassen 6 im Fach Englisch statt. Dabei mussten die Schüler/innen von Oberstufenschüler/innen betreute Stationen durchlaufen und z.B. im Fach Englisch u.a. in  Rollenspielen eine Familienkarte im Zoo erwerben oder aber den Diebstahl des Rucksacks auf einer Polizeistation melden.   

Sehr gut zum thematischen Schwerpunkt passten die eingeladenen Gäste vom Pulse of Europe, Frau Marzanna Dyjak-Diederich (Pulse of Europe Köln) und Iris Hilker (Pulse of Europe Aachen), die ihre Europabegeisterung authentisch vermittelten und Schüler/innen der Oberstufe in der fünften Stunde von ihrem Europaengagement berichteten. Der Pulse of Europe ist eine überparteiliche und unabhängige Bürgerinitiative, die 2016 in Frankfurt am Main gegründet wurde. Ihr Ziel ist es, „den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar [zu] machen“. Angesichts des EU-Austritts des Vereinigten Königreichs und des vermehrten Auftretens rechtspopulistischer und nationalistischer Parteien ist es ihr Anliegen, dieser Entwicklung mit einer öffentlichen, pro-europäischen Bewegung entgegenzutreten. [vgl. https://pulseofeurope.eu/de/]

Zu Beginn referierten die beiden über die Entstehung, die Ziele sowie das Selbstverständnis und die europäische Vernetzung des Pulse of Europe. Sehr interessant waren dabei die persönlichen Beweggründe, warum die beiden sich für den Pulse of Europe engagieren. So erzählte Frau Hilker etwa von ihrer europäischen Biographie: sie lebt in Deutschland, arbeitet in den Niederlanden, ist mit einem Franzosen mit italienischen Wurzeln verheiratet, ihre Tochter wächst mehrsprachig auf. Da Frau Dyjak-Diederich polnische Wurzeln hat, ist sie nicht nur im Pulse of Europe Köln tätig, sondern unterstützt unter anderem die Dependance in Warschau; sie zeigte anhand der aktuellen politischen Lage in Polen auf, wie wichtig es ist, dass Bürger sich für ihre Belange einsetzen. 

Anschließend wurden die beiden noch von Emila Sobetzko und Marco Hamacher aus der Q1 interviewt. Ihre Fragen hatte der Sozialwissenschaftskurs Q1 von Herrn Kombrink im Vorfeld vorbereitet, z.B. „Worin sehen Sie die momentan größten Gefahren für die Einigkeit Europas?“ oder „Welche aktuellen Entwicklungen in Europa machen Sie optimistisch, dass die Berichterstattung über Europa in Zukunft wieder positiver wird?“ Frau Hilker und Frau Dyjak-Diederich machten deutlich, dass man die aktuellen Probleme nicht kleinreden dürfe, in einer globalisierten Welt jedoch ein geeintes Europa sehr wichtig sei, auch wenn dieses bei 27 Mitgliedsstaaten nicht immer einfach sei. Ihre Erfahrungen mit dem Pulse of Europe hätten ihnen gezeigt, wie viel man als Bürgerinitiative erreichen, und wie viele interessante Menschen in ganz Europa man dabei treffen könne. Spannende Menschen konnten sie mit Sicherheit auch auf der Karls-Preis-Verleihung in Aachen kennen lernen, zu der sie nach ihrem Besuch in Bergheim weiterfuhren.

Während der Programmpausen konnten die Besucher sich im PZ eine Wandausstellung zu verschiedenen Themen anschauen, z.B. Gedichte zu ausgewählten Ländern Europas (Klasse 5b, Deutsch), „So isst Europa“ (8c/ Kunst), Sprachen und Literatur in Europa und am Erftgymnasium (8e/ Deutsch) oder „Europa und die Arabische Welt: Kulturbegegnungen in historischer Perspektive“ (EF/ Geschichte). Weiterhin gab es interessante Erfahrungsberichte von Frau Berg über ihre Zeit als Deutschlehrerin im tschechischen Brünn. Im Schülerquiz „Europa abseits der Krisen“ konnten Oberstufenschüler ihr Wissen zu aktuellen Europathemen testen, z.B. „In welchem Bereich nimmt Estland europaweit eine Vorreiterrolle ein?“ (Antwort: im Bereich digitales Lernen/ E-governing).

Den ganzen Tag über konnten die Besucher sich auch zu dem Thema “Europe Remembers the Holocaust“ informieren, das vom bilingualen Geschichte-Englisch Klasse 9 von Herrn Dehne präsentiert wurde; die Videos, Poster und mündlichen Erläuterungen der Schüler/innen zeigten dabei auch, wie erschreckend aktuell das Thema Antisemitismus leider immer noch ist und machten deutlich, wie wichtig eine angemessene Erinnerungskultur ist.

Zum Abschluss des Europatages spielte die Junior Big Band die Europahymne „Freude schöner Götterfunken“ und die anwesenden Schüler/innen hatten noch Zeit, sich die Stellwände anzuschauen.

Vielen Dank an alle beteiligten Schüler/innen und Lehrer/innen, die sich am diesjährigen Europatag aktiv beteiligt haben. Für weitere Anregungen bezüglich der Europaarbeit an unserer Schule sowie Wünsche für den Europatag im kommenden Jahr wendet Euch/ wenden Sie sich bitte an:

Kai.Heimann@erftgymnasium.de