Schulrundgang | Sitemap | Anfahrt | Impressum | Kontakt

“The Opportunities of Migration for Multicultural Europe“: 2. Erasmus+ Projekttreffen in Bergheim

Welche unterschiedlichen Gründe haben Flüchtlinge, um ihre Heimatländer Richtung Europa zu verlassen? Welche Hoffnungen verknüpfen sie mit Europa? Welche unterschiedlichen Routen nehmen sie und welche Gefahren lauern auf dem Weg? Wie reagiert die europäische Politik und wie die europäische Öffentlichkeit? Welche Unterschiede hinsichtlich der Aufnahme und Einstellung gegenüber Flüchtlingen gibt es in Deutschland, Frankreich, Italien und Litauen? Dies waren nur einige der Fragen, welche Schüler/innen des Erftgymnasiums Bergheim mit ihren Partnern aus Bordeaux/Frankreich, Santa Maria/Italien und Klaipeda/Litauen bei ihrem zweiten Projekttreffen vom 01. bis zum 06. Mai in Bergheim diskutierten. 

Bei dem Erasmus+ Projekt handelt es sich um ein von der EU-Kommission finanziertes Schulprojekt vier europäischer Schulen aus den oben genannten Städten. Ziel des Projektes ist es, einerseits die aktuelle Flüchtlingskrise besser zu  verstehen und mehr über die Rolle von Migration im eigenen Land sowie in den europäischen Partnerländern zu erfahren  andererseits auch, interkulturelles Lernen, internationale Zusammenarbeit und europäische Werte, digitales Lernen und Kreativität zu fördern.

Quelle: https://www.timeshighereducation.com/features/how-europes-academy-is-addressing-the-refugee-crisis

Das erste Projekttreffen fand Anfang Februar diesen Jahres in Santa Maria zum Thema  “Migrant Routes in Our Communities“ statt; dabei stand die historische Entwicklung von Einwanderung vom zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart im Vordergrund. Nachdem unsere italienischen Partner die Messlatte durch ihre Gastfreundschaft, Herzlichkeit sowie die inhaltliche Gestaltung sehr hoch gelegt hatten, galt es nun, unseren Gästen einen ebenso gelungenen Aufenthalt zu bieten. 

Da es das von der EU bereitgestellte finanzielle Budget erlaubt, jeweils sechs bis sieben Schüler/innen zu einem Projekttreffen ins Ausland zu entsenden, bestand die Gruppe aus insgesamt 21 ausländischen sowie 25 Bergheimer Schüler/innen. Nach ihrer Ankunft am Bergheimer Bahnhof am 01. Mai konnten unsere Gäste den ersten Abend dazu nutzen, ihre Gastschüler und Gasteltern besser kennenzulernen sowie sich von der langen Anreise zu erholen.

Der Vormittag des ersten Arbeitstages stand dann ganz im Zeichen von Projektpräsentationen der einzelnen Delegationen zum Thema des 2. Projektteils “Current Changes Within Our Society“. Durch die sehr interessanten Beiträge, z.B. über unterschiedliche Ersteinrichtungen für Flüchtlinge in Italien, die Rolle von Einwanderung im französischen Wahlkampf, ein Interview mit einem algerischen Flüchtling aus Klaipeda über seine Erfahrungen in Litauen sowie die Entwicklungen der Flüchtlingssituation in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren, wurde den Schüler/innen eindrucksvoll verdeutlicht, wie hochaktuell, dramatisch und facettenreich die aktuelle Flüchtlingssituation ist. 

Anschließend arbeiteten die Schüler/innen in Kleingruppen u.a. am Projektlogo, überlegten sich  Fragen für später folgende Programmpunkte wie etwa den Besuch bei Radio Cosmo in Köln, erstellten ein Quiz für den Europatag bzw. übten den Song Read all about it von Emili Sandé ein. Nach einem Mittagessen in der Mensa des Erftgymnasiums zeigten die Bergheimer Schüler/innen ihren Gästen auf einem Spaziergang zum Integrationsbüro die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Bergheims und gaben ihnen Informationen zu lokalen Bräuchen, wie etwa dem Aufstellen von Maibäumen. Im Integrationsbüro stellte Frau Strohmeier uns die Arbeit ihrer Einrichtung vor und schilderte uns die Veränderungen, die sich im Laufe der Flüchtlingskrise ergeben haben. 

Dabei konnte sie alle Beteiligten durch ihre positive Einstellung und äußerst interessante Erläuterungen über die engagierte und erfolgreiche Arbeit des Integrationsbüros überzeugen. Das von ihr zitierte arabische Sprichwort „Mit einer Hand kann man nicht klatschen“ verdeutlichte (auch wenn es von einer italienischen Schülerin zur Erheiterung aller Anwesenden praktisch widerlegt wurde …) allen Teilnehmern anschaulich, wie wichtig gegenseitige Unterstützung - gerade in einem neuen/ fremden Umfeld -  ist.  Da es, wie Frau Stromeier sagte, wichtiger sei, „mit anstatt übereinander zu reden“, fuhren acht Projektteilnehmer am Abend noch nach Köln, um im „Dialog“ im Sprachraum der Stadtbibliothek in kleinerem Rahmen mit Flüchtlingen aus Syrien und Eritrea über ihre Erfahrungen in Deutschland zu sprechen. Dabei war es erstaunlich zu sehen, wie offen die „Neukölner“ über ihre Erlebnisse berichteten und wie sehr sie sich gegenseitig unterstützen: Ein Syrer hielt z.B. zu Übungszwecken ein Referat über Elektroautos und bekam anschließend Feedback von seinen Freunden.

Dass es keinerlei Rolle spielt, wo man geboren wurde, um sich mit Köln und der kölschen Lebensart zu identifizieren, zeigte uns am nächsten Tag unsere Kölner Stadtführerin Asita: selbst erst vor eineinhalb Jahren von Indien nach Köln gezogen, konnte sie alle Teilnehmer glaubhaft davon überzeugen, dass Köln die lebenswerteste Stadt Deutschlands ist. Sie informierte uns auf dem Spaziergang, der uns vom Brüsseler Platz zum Dom führte, auf gleichermaßen unterhaltsame wie informierende Art und Weise über das multikulturelle Köln. Die kulturelle Vielfalt Kölns wurde allen Teilnehmern auch rund um den Eigelstein bewusst, besonders durch das leckere Mittagessen im türkischen Restaurant DoyDoy.

Am Nachmittag öffnete WDR Cosmo seine Pforten für uns und Programmdirektor Thomas Reinke stellte uns und unseren Gästen seinen Sender sowie das Programm vor. Neben der musikalischen Vielfalt, die der Sender bietet (Stichwort „Global Pop“), waren für uns besonders die in unterschiedlichen Sprachen (z.B. auf Arabisch, Italienisch oder Polnisch) gehaltenen Sendungen sowie das sehr erfolgreiche Format „Refugees 4 You“ von großem Interesse. Bei dem letzteren Format werden Flüchtlinge auf Englisch über wichtige praktische wie tagespolitische Themen informiert. Aber auch der Einblick in die Welt des Radios im Allgemeinen konnte alle Teilnehmer begeistern, so lernten wir nicht nur die Radiofigur Kosta Rapadopoulos kennen, sondern durften sogar den 16Uhr Nachrichten live beiwohnen. 

Am nächsten Tag begleiteten die europäischen Gäste ihre Bergheimer Gastgeber zunächst die ersten beiden Unterrichtsstunden, ehe man sich gemeinsam auf den Weg nach Düsseldorf machte. Nach einer interessanten Führung durch die größte japanische Gemeinde Deutschlands, konnten die Schüler/innen bei einem Spaziergang durch die Altstadt oder aber einem Abstecher auf den Fernsehturm, für sich entscheiden, welche rheinische Stadt sie mehr begeistert. Am Abend trafen sich alle Projektteilnehmer im Hotel Krone in Bergheim, um sich bei leckerem Essen über die bisherigen Erlebnisse zu unterhalten bzw. auf der Kegelbahn eine traditionelle deutsche Freizeitaktivität auszuprobieren. Spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem die Schüler/innen gemeinsam tanzten und sangen, war es sehr schön zu beobachten, wie sehr die Gruppe bereits zusammengewachsen war.

Am Freitag wurde am Erftgymnasium der Europatag gefeiert, der für unsere Gäste vom 09. auf den 05. Mai vorgezogen wurde, und für den viele Schüler/innen unserer Schule sich im Vorfeld mit den ausgewählten Schwerpunkten Migration bzw. landeskundlichen Themen zu den Heimatländern unserer Gäste Frankreich, Italien und Litauen im Unterricht beschäftigt hatten. In den ersten beiden Schulstunden diskutierten die Projektteilnehmer jedoch noch, was sie in den vergangenen Tagen über die Situation der Flüchtlinge in Deutschland gelernt haben, welche Gemeinsamkeiten/ Unterschiede es in den vier beteiligten Ländern gibt, wie erfolgreiche Integration gelingen kann sowie wie rechtes Gedankengut/ Gewalt verhindert werden kann.

Für die 3.  und 4. Stunde füllte sich dann das PZ des Erftgymnasiums mit fast 150 Oberstufenschülern/innen. So bekamen die am Projekt teilnehmenden Schüler/innen die Möglichkeit, das Erasmus+ Projekt vor einer großen Gruppe zu präsentieren bzw. ihre während der vergangenen Tage gemachten Erlebnisse zu schildern. Außerdem stellten Kleingruppen ihre Vorschläge für das Projektlogo vor und ließen die anwesenden Zuschauer abstimmen. Anschließend stellten andere Schüler/innen weitere am Erftgymnasium durchgeführte  Europaaktivitäten vor, z.B. zur Teilnahme an Wettbewerben wie dem Europäischen Wettbewerb oder Euroscola. Letzteren konnten Schüler/innen des Erftgymnasiums im vergangenen Jahr gewinnen. Als Belohnung durften sie nach Straßburg ins Europaparlament fahren. Über das Programm in Straßburg und die Begegnungen mit Schüler/innen aus allen EU-Mitgliedsstaaten berichteten Emilia Sobetzko und Celina Erven.

Es folgten Berichte über die Teilnahme an Programmen wie “Discover Europe“, bei dem sich deutsche, polnische und tschechische Schüler in der Nähe von Görlitz trafen, um die Geschichte und Kultur Schlesiens sowie die Geschichte der Europäischen Integration und der politischen, ökonomischen und sozialen Werte Europas zu diskutieren. Zwischendurch hatten die anwesenden Schüler/innen auch die Möglichkeit, sich die Wandausstellung anzuschauen, auf der im Unterricht erstellte Produkte zu den oben genannten Themen gezeigt wurden, z.B. „Europa in der Tagespresse“ oder  landeskundlichen Aspekten, wie z.B. dem Weltklimagipfel in Paris, der Flüchtlingssituation vor Lampedusa oder litauischer Kultur.

Während unsere Gäste in der 5. und 6. Stunde die Gelegenheit erhielten, sich das Erftgymnasium in Ruhe anzuschauen, ging das Programm im PZ weiter. Ca. 200 SchülerInnen der Klassen 5-7 erfuhren u.a. in einem von Julia Christ und Tim Hütten im Rahmen des Europäischen Wettbewerbs erstellten sehr informativen und emotionalen Video, mehr über Flucht bzw. die Flüchtlingskrise. Die Schüler Till Witbroek und Stephan Ramlow stellten einen weiteren tollen Wettbewerbsbeitrag über Gemeinsamkeiten europäischer Sprichwörter vor. Danach zeigten Schüler/innen der Klasse 7c/7d von Frau Hilsamer ein im Rahmen des Programmes „Europa macht Schule“ erstelltes Video, das sie gemeinsam mit einer türkischen Gaststudentin zum Thema „Zwei Römer in Istanbul“ gedreht hatten.

“All work and no play makes John a dull boy“, lautet ein britisches Sprichwort. Daher wurde am Abend eine „Farewell-Party“ durchgeführt, zu der auch Eltern, Lehrer und nicht am Projekt teilnehmende Schüler eingeladen waren. Zu Beginn wurden die europäischen Gäste offiziell verabschiedetet, Geschenke überreicht sowie in Form einer Foto-Slideshow Impressionen geteilt. Aber es ging natürlich auch darum, bei Getränken, leckeren Speisen sowie Musik einen schönen Abschluss für die sehr produktive und interessante Woche zu finden. Sie kann insgesamt als großer Erfolg gewertet werden, da die Projektteilnehmer/innen viele neue Kenntnisse zum Thema Flucht und Migration erworben haben und das Thema wesentlich differenzierter beurteilen können und nebenbei auch deutlich selbstbewusster bei der Verwendung des Englischen geworden sind. Auf der Abschiedsparty wurde aber auch noch einmal der tolle Zusammenhalt zwischen allen Schüler/innen der vier europäischen Nationen deutlich.

Am Samstagmittag fiel den Schüler/innen die Verabschiedung am Bergheimer Bahnhof entsprechend sichtlich schwer. Ein Wiedersehen gibt es allerdings – zumindest für einige Schüler/innen – vom 21.-27.09 zum Thema “Freedom, but with duties“ in Klaipeda/Litauen, bei dem es thematisch vor allem um Menschenrechte und ihre Einhaltung geht. In diesem Sinne: Pasimatysime Lietuvoje („Wir sehen uns in Litauen!“)!