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Informationen zu den Vertiefungskursen in der Einführungsphase im Fach Englisch

 

Leistungskonzept im Fach Englisch

Leistungskonzept_Englisch.pdf

Teilnahme am Seminar "Diversity in US-Education" in San Antonio/Texas

Herr Heimann an der Lopez Middle School. God Bless America!
Die deutschen Teilnehmer des Fulbright-Programms
Seminar an der Universität zum Thema Integration
"Bescherung" für die sehr netten Schüler der Toll Tech Academy
Bilinguale Förderung an der Bonham Elementary School
Auch amerikanische Schüler können noch an ihrem Wortschatz feilen ...
Blick über San Antonio vom Tower of the Americas

Ein Bericht von Kai Heimann (Englischlehrer am Erftgymnasium)

"Diversity in U.S. Education 2012", zweiwöchiges Fortbildungsprogramm der Fulbright Kommission in San Antonio? Wow, klingt spannend. Bundesweite Ausschreibung mit 16 zu vergebenden Plätzen, Bewerber mit Migrationshintergrund bevorzugt (zählt dazu auch ein im Rheinland lebender Westfale?), zweiseitiges Bewerbungsschreiben und Empfehlung der Schulleitung erforderlich. Hm, klingt ziemlich illusorisch!" Das waren in etwa die ersten Gedanken, die mir beim Lesen der Ausschreibung im September des letzten Jahres durch den Kopf gegangen sind. "Aber versuchen kann man's ja trotzdem", lautete schließlich das Motto beim Absenden der Bewerbung.

Als ich im November dann eine Email bekam, in der mir mitgeteilt wurde, dass die Auswahl der Teilnehmer aufgrund der hohen Bewerberzahl auf Januar verschoben würde, hakte ich das Projekt USA innerlich bereits ab. Entsprechend gering war meine Erwartungshaltung beim Überfliegen der zweiten Email, die mich im Januar erreichte: "Sehr geehrter Herr Heimann, über eine positive Rückmeldung Ihrerseits würden wir uns sehr freuen. Alle weiteren Informationen finden Sie im Anhang." Aber Moment, das muss ein Irrtum sein, dass hieße ja: YES!!!

Zum besseren Verständnis sollte vielleicht erst einmal kurz erläutert werden, worum es sich bei der Fulbright Kommission überhaupt handelt: Das deutsch-amerikanische Fulbright-Programm verwirklicht die visionäre Idee des Senators Fulbright: Die Förderung von gegenseitigem Verständnis zwischen den USA und Deutschland durch akademischen Austausch. Seit seiner Entstehung im Jahre 1952 wurden bereits ca. 45000 Deutsche und Amerikaner gefördert. Auf internationaler Ebene wird der Austausch zwischen den USA und 155 weiteren Ländern unterstützt. Im Kernprogramm steht der Austausch hochqualifizierter Studenten/ Akademiker (ergänzt durch Stipendien für Professoren, Fremdsprachenassistenten sowie Fortbildungsseminare für Hochschuladministratoren und Lehrer).

In dem Programm "Diversity in US-Education" ging es darum, einen Einblick zu erhalten, wie die Amerikaner mit der großen Heterogenität ihrer Schülerschaft umgehen, Unterschiede zu Deutschland herauszufinden, zu diskutieren und somit gemeinsam voneinander zu lernen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und der sich verändernden ethnischen Zusammensetzung in den USA bot sich San Antonio/Texas aufgrund seiner Nähe zur mexikanischen Grenze besonders als Veranstaltungsort an, da 56% der Bevölkerung lateinamerikanische Wurzeln haben. Wie sich herausstellen sollte, bezog sich der Begriff "Diversity" dabei nicht nur auf die ethnische und kulturelle Vielfalt, sondern auch auf soziale, ökonomische und geographische Unterschiede sowie allgemeine Unterschiede im Lernen.

Nach einem Vorbereitungstreffen bei eisigen Temperaturen in Berlin im Februar dieses Jahres, bei dem das Programm im Kontext der auswärtigen Kulturpolitik, administrative, inhaltliche und kulturelle Aspekte des Programms sowie ein möglicher Gewinn für Teilnehmer und Schulen besprochen wurden und sich die deutschen Teilnehmer kennenlernten, ging es Ende März endlich los. Von Frankfurt aus flogen wir über den großen Teich nach Houston und von dort weiter nach San Antonio. Die ersten Erfahrungen mit dem amerikanischen Bodenpersonal waren direkt sehr skurril; zumindest war ich zuvor bei europäischen Sicherheitskontrollen noch nie gelobt worden: "Very well done, Sir!"

Als wir abends schließlich ermattet in unserem Hotel ankamen, gab es die nächste Überraschung. Statt des erwarteten 8-Mann Schlafsaals wurde jedem Teilnehmer sein eigenes, sehr luxuriöses Hotelzimmer zugewiesen. Und erst der atemberaubende Blick vom Pool des Hoteldaches auf Downtown San Antonio! Aber ehe hier ein falscher Eindruck entsteht, Zeit für den Pool blieb nur wenig, denn das Programm hatte es mit einer Mischung aus Seminaren an der Universität, diversen Schulbesuchen sowie dem Besuch weiterer offizieller Veranstaltungen in sich.

Die hervorragende Betreuung des Programms wurde vor Ort übernommen durch: Angela Breidenstein (Associate Professor an der Trinity University San Antonio und zuständig für die Ausbildung der Lehramtsanwärter), Courtney Crim (vom Department of Education) sowie Liz Ozazuna (vom Texas Board of Education). Unterstützt wurden die drei u.a. durch Ann und Bruce von der Trinity Universität, die für die Logistik zuständig waren, sowie die beiden Referendare Josh und Andrew, die uns netterweise als "Chauffeure" zur Verfügung gestellt wurden.

An der "state-of-the-art" Privat-Universität Trinity - für die die Studenten bis zu 60 000 $ (!) Studiengebühren im Jahr aufbringen müssen - wurde in unterschiedlichen Seminaren rund um das Thema "Cultural Diversity" der theoretische Hintergrund besprochen und diskutiert, u.a. "Education in San Antonio, Texas and the USA", "The USA and Germany", "Trends in Educational Technology", "Reaching out to Latino Families", "Border and Immigration Issues" oder "Mexican-Americans in the USA and San Antonio".

Höchst interessant war es, die spannenden Themen aus "Studentensicht" zu erleben und aus amerikanischer und deutscher Perspektive zu diskutieren; auch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der sehr kompetenten Dozenten/ Professoren und deren unterschiedliche methodische Herangehensweisen machten die Teilnahme zu einer sehr aufschlussreichen Angelegenheit. Dabei hörten die Diskussionen nicht mit Seminarschluss auf. Besonders spannend war es auch, von den deutschen Teilnehmern mit (z. B. polnischen oder türkischen) Wurzeln zu erfahren, wie sie etwa ihre eigene Schulzeit als "Jugendliche mit Migrationshintergrund" wahrgenommen haben bzw. von ihren Mitschülern wahrgenommen wurden.

Der eigentliche Hauptschwerpunkt lag allerdings auf dem Besuch amerikanischer Schulen und dem Austausch mit amerikanischen Schülern und Lehrern. Auch hier wurden wir ausnahmslos sehr freundlich und respektvoll empfangen ("Willkommen Fulbrighters!"). Das Spektrum der besuchten Schulen umfasste dabei High Schools (Klasse 9-12), Middle Schools (Klasse 6-8) und Elementary Schools (Klasse 1-5).

Vielfalt stand auch bei der Art der ausgewählten Schulen im Mittelpunkt: u. a. besuchten wir die International School of the Americas in San Antonio sowie die Austin Academy for Global Studies mit einem sehr international/ global ausgewählten Schwerpunktzweig sowie die Manor Tech Academy, wo nahezu ausschließlich mit modernster Technologie/Computern gearbeitet wird und vor allem auf projektorientiertes und problemlösendes Lernen gesetzt wird.

Die finanziellen Unterschiede (und Ungerechtigkeiten) wurden bei den Besuchen der Tolltech Academy, deren Schülerschaft zu 95% lateinamerikanische Wurzeln hat und aus überwiegend sehr finanzschwachen Elternhäusern kommt, und der privaten St. Mary's Hall deutlich, einer High School, auf der die Kinder vermögender Texaner aus San Antonio mit einer Jahresgebühr von bis zu 70 000 $ aufs College vorbereitet werden. Beeindruckend war es zu sehen, mit wie viel Enthusiasmus an der Tolltech Academy versucht wird, diese finanziellen Nachteile durch ein ausgeklügeltes System zur Collegefinanzierung auszugleichen und dabei vor allem Mädchen für technische/naturwissenschaftliche Fächer zu begeistern. Neben diesen High Schools wurden noch zwei Middle Schools sowie die bilinguale Bonham Elementary School besucht, in der die Zweisprachigkeit von Kindern aus "Latinofamilien" gefördert wird: Kinder, die besser Spanisch als Englisch sprechen, unterstützen Kinder, deren Englisch besser ausgeprägt ist und umgekehrt.

Nach den Führungen durch die Schulen kam es (fast) immer zu angeregten Diskussionen mit amerikanischen Kollegen und Schülern. Gerade der Gedankenaustausch mit den amerikanischen High School Schülern zählt für mich zu den besonderen Highlights. Vor allem in Austin kam es zu einer sehr offenen Diskussion (vielleicht auch weil in meiner Gruppe kein Lehrer der Schule anwesend war), in der sich die Schüler (wie übrigens alle anderen Schüler auch) sehr informiert, reflektiert und interessiert zeigten. So wurde z.B. die Frage gestellt, ob man als amerikanischer Student in Deutschland mit Anfeindungen rechnen müsse bzw. ob das Amerikabild in Deutschland sehr unter der Bush-Administration gelitten habe.

Die Gespräche mit den Lehrern waren auch sehr faszinierend. Erstaunlich ist hier besonders, wie abhängig die Lehrer von ihrem jeweiligen School Board sind, das im Zweifelsfall sogar dazu befugt ist sie zu entlassen. Man stelle sich vor, der Schulkonferenz des Erftgymnasiums wäre es erlaubt, Lehrer/innen zu feuern! Sehr abhängig sind die amerikanischen Lehrer auch von den Testergebnissen ihrer Schüler/innen. Vorher war mir auch nicht bewusst, dass amerikanische Lehrer - wie die Schüler - jeden Tag den gleichen Stundenplan und das gleiche Fach haben. So kann es z.B. passieren, dass man als Lehrer in San Antonio 6-7 Stunden am Stück texanische Geschichte in der Klasse 7 unterrichtet. Weitere interessante Diskussionspunkte waren u. a. die Abhängigkeit von (landesweiten) Testergebnissen, die Bedeutung von Inklusion in amerikanischen Klassenräumen oder das Lehrerraumprinzip, bei dem jeder Lehrer seinen eigenen Klassenraum hat und die Schüler zu ihm kommen.

Was mir von den Schulbesuchen vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist die offenkundige Unterstützung der Schüler, an ihre eigenen Stärken zu glauben ("It is a mistake NOT to try!" oder "Attitude is as important as talent"). Aber auch die z. T. stark reglementierten Vorschriften, z. B. zum Verhalten beim Wechseln des Klassenzimmers: "walk quickly to your next assigned location; keep your hands and feet to yourself". Auch scheint die Identifikation der SuS mit ihren Schulen sehr hoch zu sein.

Weiterhin war die Ausstattung fast aller Schulen sehr beeindruckend, bestens mit neuen Medien ausgestattet, große Klassenräume, eine Vielzahl an Musikinstrumenten, eigene Schulbüchereien etc. Auch die Förderung schwächerer Schüler nimmt einen großen Platz ein. So stehen zusätzliche ESL-Lehrer (English as a Second Language) für Schüler zur Verfügung, deren Muttersprache nicht English ist, ein "Content Mastery Room", wo Schüler mit Verständnisproblemen den Stoff von einem Lehrer erklärt bekommen können sowie zusätzliche Pädagogen, die Schüler mit körperlichen/ geistigen Beeinträchtigungen unterstützen. So konnte ich eine Stunde mitverfolgen, in der ein Lehrer die Anweisungen per Zeichensprache für einen Schüler übersetzt hat.

Abgesehen von den Schul- und Seminarbesuchen standen aber auch weitere Veranstaltungen auf dem Programm. Neben einem Empfang im Rathaus (ein demokratischer Bürgermeister in Texas!) sind hier vor allem die "Evening-Receptions" zu nennen, die u. a. im Garten des Vize-Präsidenten der Universität stattfanden und wo wir die Gelegenheit hatten, mit einer Auswahl von Lehrern, Referendaren oder Professoren/Dozenten, die wir im Laufe des Tages kennen gelernt hatten, bei einem Kaltgetränk noch einmal ins Gespräch zu kommen. Bei soviel Gastfreundschaft gab es auch stets Gastgeschenke aus den unterschiedlichen Regionen Deutschlands unsererseits. Und wer freut sich nicht darüber, im Besitz eines T-Shirts mit Domaufdruck und kölschen Weisheite wie "es hätt noch immer jutjejange", Nudeln in Domformat sowie einer Dose Früh samt Kölschglas zu sein.

Erwähnen möchte ich auch noch gerne weitere (offizielle) Veranstaltungen, z. B den Trinity Prize for Excellence in Teaching, auf der die/der texanische Lehrer/in des Jahres 2011 geehrt wurde und die amerikanische Lehrerin des Jahres 2010, Michelle Shearer, einen sehr faszinierenden Einstiegsvortrag gehalten hat. Auch hier wurden die "special guests from Germany" vorgestellt.

Weiter eingehen könnte ich noch auf das famose bar-b-que im Hill Country auf einer Ranch vor den Toren San Antonios, den privaten Besuch eines NBA Spiels der San Antonio Spurs (mit dem ein persönlicher Lebenstraum in Erfüllung gegangen ist) oder einen privaten Ausflug ins einst von Deutschen gegründete Fredericksburg… aber das würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Nach den vermutlich zwei ereignisreichsten Wochen meines beruflichen Lebens hieß es schließlich, sich von den amerikanischen Gastgebern bei einem "Farewell Dinner" und einer "River Boat Tour" zu verabschieden. Auch wenn sie den Text vermutlich nicht verstanden haben, waren unsere amerikanischen Gastgeber sehr über die Darbietung von "Mein kleiner grüner Kaktus" erfreut, den der Musiklehrer in unserer Gruppe zuvor mit uns einstudiert hatte.

Abschließend möchte ich festhalten, dass ich neben dem phänomenalen Programm vor allem die persönlichen Gespräche nicht vergessen werde. Und dass das, was wir unseren deutschen Schülern über die USA beizubringen versuchen, durchaus von Relevanz ist. So hat z. B. unser mexikanischer Busfahrer im Hill Country sehr offen über sein Leben gesprochen, wie etwa seinen Wunsch, ein eigenes Busunternehmen zu gründen, und seinen Nebenjob, den er dafür benötigt, oder aber, dass sein Sohn fast in den Irakkrieg ziehen musste.

Viel gelernt habe ich aber auch über Deutschland, wie unterschiedlich unser Schulsystem in den einzelnen Bundesländern ist (erklär einem Amerikaner mal das deutsche Schulsystem; oder aber über das Schulsystem in der DDR - zwei Teilnehmer haben beide Systeme als Lehrer kennen gelernt). Letztlich aber auch über den Umgang mit Stereotypen, denn das Gesamtbild der Amerikaner, deren Bekanntschaft ich machen durfte, zeigt keinen erzkonservativen, übergewichtigen texanischen Hinterwäldler, sondern zumeist einen sehr (welt-) offenen, reflektierten, (gast-) freundlichen und mitunter sogar umweltbewussten Amerikaner.

Bedanken für dieses unvergessliche Erlebnis möchte ich mich abschließend bei der Fulbright-Kommission, den Betreuern und Organisatoren in den USA, aber auch bei meiner Schulleitung, die mich für dieses Programm empfohlen und für eine Schulwoche freigestellt hat.

"Through face to face interaction we build bridges among the people and nations of the world", ist eines der Motti der Fulbright Kommission.

Hoffentlich können wir am Erftgymnasium unseren Schülern in naher Zukunft wieder ähnliche Erfahrungen im englischsprachigen Raum bieten.