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Kurzgeschichten der Klasse 11a

Ohne Titel

 

Wieder lag sie wach und lauschte, waren das Schritte auf dem Parkett, würde sie gleich die Tür öffnen und er würde reinkommen oder würde er sein Versprechen halten? Sie hatte Angst. Angst davor seine gemurmelten Worte an ihrem Ohr zu hören. Angst vor den heiseren Entschuldigungen, wenn er sie küsste, wenn er ... Da ein leises Rascheln auf dem Flur, ihr Körper spannte sich, doch das Geräusch entfernte sich in Richtung Küche und sie konnte wieder atmen. Eine Maus oder vielleicht ihre Mutter oder ihre kleine Schwester. Tränen schossen ihr in die Augen, als sie an Maria dachte, an ihren leeren Blick in den letzten Tagen, daran wie sie zusammenzuckte, wenn jemand sie berührte. Er war auch bei ihr gewesen, sie wusste es. Zwar hatte sie nichts gesehen, nichts gehört, doch sie wusste es und hasste ihn dafür. Das Rascheln kam wieder näher und entfernte sich wieder, ja es war sicher Maria, die auf ihren kleinen Füßchen in die Küche getappt war, vielleicht war sie auch geflohen vor ihm. Wieder spürte sie den Hass in ihrem Herzen, den brodelnden Zorn, der ihre Lungen füllte und sie zu ersticken drohte. Plötzlich, wie von einer langversteckten Idee gelenkt, stand sie auf. Später lag sie in ihrem Bett und wartete auf den Sonnenaufgang und auf den Schrei ihrer Mutter der durch das Haus gellte.

 

Jasmin Mattern

 

 

Schon wieder alleine

 

„Düü, düü, düü, ...“. Daniel wacht auf und schaltet den Wecker aus. „Ein weiterer Ferientag“, denkt er sich, steht aus seinem Bett auf und marschiert in müden Schritten Richtung Küche. Unten angekommen schaut er sich um, ob jemand da ist. Und das, obwohl er weiß, dass eigentlich niemand da sein kann. Seine Eltern sind um diese Zeit schon längst arbeiten und Geschwister oder Tiere besitzt er nicht. „Schon wieder alleine“, überlegt er sich, setzt sich hin und starrt ins Leere. Sein Kopf ist leer, seine Seele ebenfalls. Nur ein heruntergefallenes Buch holt ihn in das Hier und Jetzt zurück. Er steht auf, wäscht sich, zieht sich an und verlässt das Haus in Richtung Jugendzentrum. Sein Blick ist emotionslos, sodass ihn alle komisch betrachten. Am Jugendzentrum angekommen setzt sich Daniel auf eine Bank. Er beobachtet die anderen Jugendlichen, die jeweils in kleinen Grüppchen zusammenstehen und sich unterhalten. Vor allem eine Gruppe ist Daniel besonders aufgefallen. In dieser ist ein Mädchen, das er schon öfter hier gesehen hatte. Sie gefällt ihm sehr und er stellt sich vor, wie es ist, mit einem solchen Mädchen befreundet zu sein oder sogar mit ihr zusammen zu sein. Er nimmt all seinen Mut zusammen und steht auf, um zu der Gruppe zu gehen. Und das, obwohl er eigentlich Angst hat andere Menschen anzusprechen. Daniel stellt sich in die Gruppe. Und plötzlich starren ihn wieder alle an. Einige Sekunden verstreichen, bis Daniel seinen Mund aufmacht, um etwas zu sagen. Doch bevor er seine ersten Worte sprechen kann, unterbricht ihn das Mädchen: „Was willst DU denn? Mach bloß, dass du verschwindest!“ Die anderen in der Gruppe fangen an zu lachen und Daniel kehrt ihnen den Rücken. Er erinnert sich an die vielen Male, die er andere Gruppen angesprochen hatte und er wurde immer auf die gleiche Art und Weise zurückgewiesen. Auf dem Weg nach Hause denkt er im Stillen für sich: „Schon wieder alleine...“.

 

Christian Gieseler

 

 

Blau

 

Heute ist wieder einer dieser Tage... Der Himmel ist BLAU und alle lachen, nur ich nicht. Es ist 06:15 Uhr und ich müsste mich auf den Weg zur Schule machen. Nein, heute nicht. Heute mache ich dem Himmel alle Ehre – BLAU. Doch höre ich meine Mutter an meine Türe hämmern ... ich muss los, sonst haut sie mich grün und BLAU. Ich ziehe mich an und nehme den Bus nach Köln. Dort sind auch andere aus meiner Klasse, die keine Lust hatten in die Schule des Schreckens zu gehen. Die Hälfte saß mit einer Flasche Kölsch da. Um 08:00 Uhr morgens waren sie schon so BLAU, wie das große weite Meer des Pazifiks. So frei, wie die Vögel am BLAUEN Himmel, fern sowohl von jeglicher mathematischer als auch grammatikalischer Formel. Sie fangen an zu torkeln. Doch sie sind nicht frei. So BLAUäugig wie sie denken sie wären frei, sind sie doch Gefangene ihrer eigenen Probleme. Sie lassen sich vom BLAU des Himmels täuschen, denn in Wirklichkeit ist es rabenschwarz.

 

Sanae Quaich

 

 

Unsichtbar

 

Ihm ging es nicht gut, er war krank, sehr krank, schon einige Wochen. Seinen Eltern war es egal, wenn er krank war. Manchmal war er sehr traurig, dass seinen Eltern alles egal war. Seinen Freunden war es nicht egal. Es gab einen Treffpunkt, einen sehr geheimen Treffpunkt. Er machte sich auf den Weg zu ihrem Treffpunkt unter der Brücke, wo sie redeten, manchmal stundenlang. Doch es war niemand da. Ließen auch sie ihn jetzt alleine? Er wartete, fast eine Stunde, doch auch dann war noch niemand zu sehen. Er machte sich wieder auf den Rückweg und dachte über sein verkorkstes Leben nach. Er kam zu dem Entschluss, dass es so nicht weiter gehen konnte. Er kam zu Türe herein und hörte, dass seine Eltern sich wieder einmal stritten, heftig stritten. Gläser flogen durch die Wohnung. Er bückte sich und überlegte nicht lange. Nach ein paar Sekunden bildete sich eine rote Pfütze auf dem Fußboden. Diesmal würde es seinen Eltern nicht egal sein.

 

Michael Dohle

 

 

Was ist passiert?

 

Seine himmelblauen Augen wurden sichtbar. Er war wach. Und sie saß da. Die Hände im Schoß. Ihr langes blondes Haar verdeckte ihr Gesicht. Tränen tropften in ihre Hand. Ihre Lippen küssten seine Hand. Was war passiert? Warum weinte sie? Er versuchte sich zu erinnern. Es ging nicht. Alles war weg. Es tat alles weh, jede Bewegung, jegliche Anstrengung. Selbst das Denken überforderte ihn. Zwei weitere Gestalten tauchten neben ihm auf. Er schien zu liegen, denn er sah nur ihre Gesichter. Umrisse ihrer Gesichter. Ein Mann und eine Frau. Er kannte sie nicht. Nur das weinende Mädchen kam ihm bekannt vor. Ihr schönes Gesicht ließ ihn träumen. Träumen vom Kuss, von ihrer Berührung. Ein stechender Schmerz holte ihn wieder zurück. Er sah seine Beine. Seine Sicht hatte sich verändert. Hatte er sich bewegt? Wie denn? Sie war weg. Nur die zwei Gesichter waren da. „Das Bein heben ...“, hörte er jemanden sagen. „Das Bein heben!“, wiederholte die Stimme. Jetzt erkannte er, wer gesprochen hatte. Der Mann. Eines der Gesichter. Er versuchte die Muskeln in seinem Bein anzuspannen. Dann die im Arm. Nichts geschah. Er hatte Angst. Sie saßen draußen, als ein lauter Schrei aus seinem Zimmer kam.

 

Stella Houbé